Pathologisches Institut
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2. Das erste Pathologische Institut der Ludwig-Maximilians-Universität

Nach jahrelangen Bemühungen konnte Ludwig von Buhl 1875 das erste Pathologische Institut der Universität München übernehmen. Das Instituts-Gebäude steht noch heute an der Ecke Schiller/Nußbaumstraße. Es ist heute Teil der Pharmakologie. Was sich inzwischen an Wandel im Aufgabenbereich des Fachs Pathologie vollzogen hatte, kommt in den Formulierungen Ludwig von Buhls in der Eröffnungsrede 1875 deutlich zum Ausdruck; er definierte das Pathologische Institut als eine Anstalt, welche unter gemeinschaftlichem Dach die "Arbeitsteilung an pathologisch-anatomischen und histologischen, an chemischen, physikalischen und experimentellen Aufgaben zum Zwecke der Aufklärung krankhafter Erscheinungen und der Ermittlung ihrer Entstehungsbedingungen zulässt". Diese Zielsetzung besagt bereits, daß zum Zwecke der Krankheitsforschung pathologische Anatomie und Histologie einerseits und experimentelle, chemische, physikalische und physiologische Methoden andererseits eingesetzt wurden. Hier deutet sich schon eine zweifache Aufgabenstellung an, die sich in der späteren Entwicklung des Fachs fortgesetzt hat und die sich in den beiden Grundbegriffen des gesamten Fachgebiets, Allgemeine Pathologie einschließlich experimenteller Grundlagenforschung einerseits und Spezielle, klinisch orientierte Pathologische Anatomie andererseits, widerspiegelt. Einen prägenden Einfluss auf die Arbeiten Ludwig von Buhls hatten die aufkommenden Kenntnisse der Bakteriologie als ein eben erkanntes, wichtiges Ursachenprinzip vieler Erkrankungen. Buhl selbst beherrschte die damalige Technik der Bakteriologie; mit der Errichtung des Instituts hatte er einen Mitarbeiter von Robert Koch in das Institut geholt, der die ersten bakteriologischen Kurse in München hielt. Kliniker wie von Ziemssen und viele Ärzte der Stadt waren Teilnehmer dieser Kurse zur Erlernung der neuen Technik.

Dass Ludwig von Buhl aufs engste mit dem nun auch an der Universität wirkenden Max von Pettenkofer zusammenarbeitete, ist aus der Literatur gut belegt; sie gaben u.a. auch eine gemeinsame Zeitschrift heraus.

Wie dringend diese Fragen waren, ergibt sich aus einer Veröffentlichung der Obduktionsergebnisse des Pathologischen Institutes im Jahre 1875: 29 % aller Verstorbenen hatten eine ausgeprägte Tuberkulose. In Buhls eigenen Arbeiten stand das Tuberkulose-Problem ganz im Vordergrund. Er stellte sich gegen Rudolf Virchow an die Seite von Robert Koch mit der Erkenntnis, dass die phtisische und die knötchenbildende Verlaufsform ein- und dieselbe Ursache haben, nämlich die Tuberkelbakterien als Erreger der Krankheit Tuberkulose.

In ganz ähnlicher Arbeitsrichtung war im ersten Institut auch Otto von Bollinger tätig, der später an der königlichen Tierarzneischule ordentlicher Professor für Pathologie und zugleich an der Universität außerordentlicher Professor für Vergleichende Pathologische Anatomie wurde.

1880 nach dem Tode von Buhls übernahm Otto von Bollinger (1843 - 1909) bis zu seinem Tod 1909 die Leitung des Pathologischen Instituts. Von den vielen Arbeiten aus seiner Feder sei nur erwähnt, dass er sich zuerst mit vielen Problemen der Ursachenforschung durch Krankheitserreger beschäftigte; so ist der Name des sog. Aktinomyces-Pilzes auf ihn zurückzuführen. Dann aber weitete sich sein Forschungsfeld aus. Besonders bekannt geworden sind seine Arbeiten über das sogenannte Münchner Bierherz; darin eingeschlossen sind Probleme, die wir heute als alkohol-toxische Kardiomyopathie bezeichnen würden.

Nach seinem Tod übernahm der am Institut tätige Robert Rössle, einer der großen des Fachs, interimistisch die Leitung.

1911 trat dann als Nachfolger Bollingers Max Borst (1869- 1946), der vorher bereits in Köln, Göttingen und Würzburg den Lehrstuhl für Pathologie innehatte, das Amt des Institutsdirektors an. Mit ihm wurde die neue Tradition des Münchner Instituts, die Wachstums- und Geschwulstforschung, begründet, die sich über die Jahrzehnte und über die Nachfolger hinweg bis in unsere Tage als wissenschaftlicher Schwerpunkt des Instituts fortsetzte. Mit seiner Lehre von den Geschwülsten begründete er die sogenannte histogenetische Geschwulstableitung, jene Geschwulstklassifikation, die auf der Ableitung vom bzw. dem Vergleich mit dem jeweiligen Muttergewebe beruht und die auch heute Basis aller Geschwulstklassifikationen der WHO ist. Für die sich rasch ausweitenden Forschungsaufgaben und die zunehmende praktische Tätigkeit wurde das alte Institut rasch zu klein. Pläne für einen Neubau aber konnten durch den ausbrechenden I. Weltkrieg nicht realisiert werden. Ein Neuansatz der Institutsplanung wurde durch die Inflation 1923 zunichte gemacht, so dass erst Ende der zwanziger Jahre mit dem Neubau des Instituts an der Thalkirchner Straße begonnen wurde.

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