Pathologisches Institut
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Tumoren des Ovars

Tumoren des Ovars der Tube und des Peritoneums

Unser besonderes Interesse liegt hier in der Tumorgenese sowie der Phäno- und Genotypisierung von Neoplasien. Die uns zur Verfügung stehenden großen Fallzahlen ermöglichen darüber hinaus statistisch aussagekräftige Korrelationen zu klinischen, pathologischen, therapeutischen und prognostischen Faktoren.


Mit einer Neuinzidenz in der BRD von circa 9000 Fällen pro Jahr stellen Karzinome des Ovars der Tube und des Peritoneums die zweithäufigsten Tumoren des weiblichen Genitaltrakts dar und sind sowohl hier, als auch weltweit die am häufigsten zum Tod führenden gynäkologischen Tumoren (Tumorregister München 2013).


Ein geringer Anteil (ca. 10%) dieser Karzinome tritt hereditär auf, entweder im Rahmen des „breast and ovarian cancer syndroms“ (BOC), oder assoziiert mit dem „hereditären non polyposis colon cancer syndrom“ (HNPCC), jeweils mit nachweisbarer Keimbahnmutation. Die Ätiologie der übrigen Tumoren ist weitgehend unklar, als protektive Faktoren werden späte Menarche, Geburten, frühe Menopause und orale Kontrazeptive angesehen, alle assoziiert mit einer geringeren Anzahl von Menstruationszyklen pro Leben.


In den letzten Jahren konnten aufgrund histomorphologischer, immunhistochemischer und molekularer Befunde vieler Arbeitsgruppen unterschiedliche Tumorigenesemodelle etabliert werden (Robert J. Kurman et al. in WHO classification of tumours of female reprouctive organs 2014).


Dabei wurde zuerst das duale Tumorigenesemodell für die serösen Karzinome entwickelt, welches zeigt, dass aus benignen Adenomen über nicht-invasive Bordelinetumoren low-grade seröse Karzinome entstehen, hingegen die high-grade serösen Karzinome sich de-novo entwickeln, typischerweise mit einer p53-Mutation.

  • Duale Tumorigenese

                    Adenom                                            Borderlinetumor                        low-grade seröses Karzinom (LGSC)
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        P53-Überexpression (re. IHC) bei p53-Mutation in einem high-grade serösen Karzinom (li. HGSC)

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  • Implantate

Im nächsten Schritt wurde die Genese der Implantate weiter beforscht, welche gerne mit serösen Borderlinetumoren vergesellschaftet sind. Implantat sind peritoenale Zellcluster von teils papillär gelagerten Tumorzellen an der Peritonealoberfläche (nicht-invasiv) ohne Stromareaktion. Dabei unterscheidet man den epithelialen Typ (linkes Bild) vom desmoplastischen Typ mit begleitender Entzündung und Stromafibrose.

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Implantate mit dem zytologischem Bild einer Invasion (rechts Bild) verhalten sich nach neuen Untersuchungen wie invasive Karzinome und sollten daher nicht mehr wie früher als invasive Implantate, sondern als low-grade seröses Karzinom klassifiziert werden.

  • Seröse tubare intraepitheliale Karzinome (STICs) – Genese des serösen high-grade Ovarialkarzinoms

Aktuelle Veröffentlichungen und eigene Untersuchungen zeigen, dass der Ursprungsort der high-grade serösen Karzinome häufig die Tube bzw. der Fimbrienkranz ist. Nach dieser Theorie gelangen abgestoßene Tumorzellen von einem serösen tubaren intraepithelialen Karzinom (STIC) zur Oberfläche des Ovars und manifestieren sich dort in Form einer „Abtropfmetastase“.

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Möglicherweise gehen STICs aus einer tubaren Vorläuferläsion hervor, die z.B. in sog. P53-Signaturen vermutet werden.

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  • Endometriose, Klarzellkarzinom und endometrioides Karzinom

 Endometrioide und klarzellige Karzinome sind überzufällig häufig mit Endometrioseherden vergesellschaftet. Der Pathomechanismus bei der Entstehung von diesen Karzinomen beruht auf komplett anderen genetischen Aberrationen als bei den typischen serösen Karzinomen.

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Ein weiterer Fokus der Arbeitsgruppe sind die seltenen Granulosazelltumoren, aus der Gruppe der Keimstrangstromatumoren des Ovars.

Hierbei handelt es sich um seltene, potentiell maligne Tumoren mit unklarer Prognose und daher problematischer Therapie.
Seit mehreren Jahren beschäftigen wir uns mit der Suche nach möglichen phäno- und/oder genotypischen Merkmalen, die eine bessere Einteilung dieser Tumoren ermöglichen und daher sowohl für die Therapie, als auch für die Prognose von Bedeutung sein könnten.

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In Zusammenarbeit mit der Anatomie (Prof. Dr. med. A. Mayerhofer) haben wir vor kurzem Granulosatumorzellen etabliert und versuchen durch vergleichende immunhistochemische und molekulare Untersuchungen an normalen Granulosazellen und Tumorzellen mögliche Genesewege dieser Tumoren zu klären.


Verantwortlich für den Inhalt: PD Dr. Doris Mayr