Pathologisches Institut
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Zytologie

Zytologische Präparate stammen entweder aus dem Bereich der Exfoliativ- oder Ergusszytologie [Pleura- und Perikard-Ergüsse, Aszites, Liquor, Urin, Lavagen, Sputum, (Bürsten)abstriche] oder der Punktionszytologie (Feinnadelpunktate, z.B. Schilddrüse, Knochenmark). Bei Flüssigkeits-Suspensionen wird das Material in der Regel zunächst zentrifugiert, insgesamt ist jedoch die Vorgehensweise bei der Verarbeitung des Zellmaterials relativ ähnlich. Die Zentrifugation der Flüssigkeiten erfolgt für 10 min bei 2000 U/min. Der Überstand wird anschließend entfernt und das Sediment entweder direkt auf einem Objektträger ausgestrichen oder mit Zytospin-Flüssigkeit versetzt und anschließend in einer Zytospin-Zentrifuge auf Objektträger zentrifugiert (5 min bei 800 U/min).

Urinproben sollten möglichst schnell (innerhalb von 2 h) verarbeitet werden. Nach Zentrifugation wird das Sediment von unfixiertem Harn luftgetrocknet und mit May-Grünwald/Giemsa oder nach Fixation in 96 %igem Alkohol nach Papanicolaou gefärbt. Kann der Harn nicht sofort verarbeitet werden, wird eine gleiche Menge Fixierlösung (75 Teile Ethanol, 25 Teile Eisessig) zugesetzt. Sedimente von fixiertem Harn werden nach Papanicolaou gefärbt.

Punktionsflüssigkeiten von Pleuraergüssen, Aszites oder aus Zysten sollten nach der Punktion mit einem Antikoagulans versetzt werden, z.B. 1 mg oder 100 Einheiten Heparin auf 10 ml Flüssigkeit oder 10 mg EDTA auf 10 ml Flüssigkeit oder 20 mg Natriumcitrat auf 10 ml Flüssigkeit. Der Zellgehalt wird durch Zentrifugation angereichert. Sedimentausstriche von Punktionsflüssigkeiten, die Papanicolaou, PAS oder Alcian-PAS gefärbt werden, werden in 96 %igem Alkohol fixiert, für die May-Grünwald/Giemsa-Färbung ist eine Lufttrocknung notwendig. Koaguliertes Material ("Flocken") in Ergußflüssigkeiten werden nach Formalinfixation und Paraffineinbettung zu histologischen Schnittpräparaten verarbeitet.

Liquorpunktate sollen möglichst rasch verarbeitet werden (innerhalb von 2 h). Die Vorgehensweise entspricht der Bearbeitung von Urinproben.

Gelenkspunktate werden zentrifugiert und neben den üblichen Färbungen im Polarisationsmikroskop auf das Vorkommen von Uratkristallen und Kalziumphosphat untersucht.

Bürstenabstriche sowie Feinnadelpunktate werden als Fertigaussriche entweder für die May-Grünwald/Giemsa-Färbung luftgetrocknet oder für andere Färbungen in 96 %igem Alkohol fixiert.

Blut- und Knochenmarkausstriche werden luftgetrocknet und mit May-Grünwald/Giemsa gefärbt.


Im folgenden seien am Beispiel der Schilddrüsenpunktion und der Beckenkammpunktion einige technische Aspekte erwähnt, die bei der Herstellung qualitativ hochwertiger und repräsentativer Punktatausstriche berücksichtigt werden sollten.

Schilddrüsenpunktion: Für die Punktion wird eine möglichst dünne Nadel (z.B. Nr. 16) und eine 20-mlEinmalspritze in einem Spritzpistolengriff gewählt. Nach Hautdesinfektion wird die Nadel bis in das Zentrum der Läsion vorgeschoben. Durch schnelle Retraktion des Spritzkolbens wird der nötige Unterdruck erzeugt. Die Nadel wird in der Läsion 3- bis 5mal sehr schnell fächerförmig vorgeschoben und zurückgezogen. Die Punktionsphase ist beendet, wenn am Spritzenansatz Gewebsflüssigkeit oder Blut sichtbar wird. Anschließend wird der Spritzkolben freigegeben, damit der Druckausgleich erfolgt, und die Nadel aus der Läsion herausgezogen. Nach Beendigung der Punktion wird die Nadel von der Spritze getrennt und die Spritze mit Luft gefüllt. Nadel und Spritze werden anschließend erneut verbunden und das Aspirat aus dem Nadelschaft herausgedrückt und dabei in Tropfenform auf den Objektträger übertragen, wobei die Nadelspitze dem Objektträger anliegt. Der am Ende des Objektträgers aufgebrachte Tropfen wird mit einem zweiten Objektträger in einem Zug ausgestrichen. Größere Partikel werden anschließend unter leichtem Druck mit einem flach aufgelegten Objektträger verteilt.

Beckenkammpunktion: Die Entnahme der Proben erfolgt vorzugsweise am hinteren Beckenkamm (Spina iliaca posterior superior). Nach sorgfältiger Lokalanästhesie (z.B. 10 ml Ultracain) bis zum Periost erfolgt (nach ca. 5-10 min) eine Stichinzision von ca. 3 mm. Soll sowohl eine zytologische als auch histologische Knochenmarkuntersuchung erfolgen, so wird immer zunächst für die Histologie die Beckenkammbiopsie gewonnen. Hierzu wird eine Jamshidi-Einmalnadel (8 oder 11 G) verwendet. Die Nadel wird auf der Mitte des hinteren Beckenkamms aufgesetzt, durch die Kortikalis gedreht und nach Entfernung des Mandrins in Richtung auf die gut tastbare Spina iliaca anterior vorgeschoben. Unmittelbar nach der Biopsiegewinnung erfolgt die Aspiration des Knochenmarks, z.B. mit einer üblichen Punktionsnadel nach Klima und Rosenegger ohne Arretierung. Das Knochenmark wird durch die vorhandene Hautinzision in ca. 1 cm Entfernung von der Biopsiestelle und in schrägem Winkel zur Biopsierichtung punktiert. Man aspiriert kurz und kräftig mit einer 10-ml-Spritze bis zum vollen Hub. Für die Aspirationszytologie wird eine Spritze verwendet, in die 0,5-ml-EDTA (für 2 ml Aspirat) aufgezogen sind. Für immunzytologische und molekularbiologische Untersuchungen wird das Aspirat mit 0,5 ml Heparin-Novo/EDTA, für die Zytogenetik mit 0,5 ml Heparin-Novo gewonnen (jeweils für maximal 2 ml Aspirat). Punktiert man alle Proben von einer Stelle, so können die letzten Aspirate durch zunehmende Blutverdünnung eine andere Zellzusammensetzung als die ersten Aspirate aufweisen. Bei unbefriedigender Punktion muss die Lage der Punktionsnadel durch Drehen oder durch nochmaliges Punktieren verändert werden.

Für die Zytologie wird 1 Tropfen Aspirat auf einen Objektträger gebracht und mit einem schräg angesetzten zweiten Objektträger ausgestrichen. Markbröckel können auch mit einer Nadel mäanderförmig und ohne Druckanwendung ausgestrichen werden.