Pathologisches Institut
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3. Das Pathologische Institut der LMU an der Thalkirchner Straße

1928 bis 1930, in zwei Jahren, wurde dieses Institut erbaut und am 17. Mai 1930 feierlich eingeweiht. Die Leitung des Pathologischen Instituts hatte Max Borst zu dieser Zeit seit 1911 inne. Er selbst war maßgeblich an der Konzeption der einzelnen Arbeitseinrichtungen und Forschungsabteilungen des neuen Institutsgebäudes beteiligt. So wurden von ihm in konsequenter Fortentwicklung der von Buhl bereits umrissenen Aufgabengebiete neben der Prosekturabteilung großzügige experimentelle Forschungsmöglichkeiten mit einem eigenen Tierstall, eine pathologisch-histologische Abteilung, eine chemische Abteilung und eine von Max Borst als pathophysiologische Abteilung bezeichnete Forschungseinheit und Gewebezüchtung eingerichtet.

Nach neunjähriger fruchtbarer, ungestörter Arbeit brach 1939 der II. Weltkrieg aus. Als im Gefolge der Bombenangriffe das Gerichtsmedizinische Institut zerstört war, wurde dieses Fach, die heutige Rechtsmedizin, im Institut untergebracht; hieran hat sich auch bis heute nichts geändert.

Nachdem bei mehreren Bombenangriffen das Institut nur leicht beschädigt wurde, traten nach einem Angriff im Jahr 1944 schwere Schäden auf. Unter anderem wurden große Teile des Mitteltrakts zerstört. Die Wiederherstellung des Instituts erlebte Max Borst nicht mehr. Nach dem Wiederbeginn des Unterrichts nach dem Krieg ereilte Max Borst durch einen Autounfall am 19. Oktober 1946 der Tod.

Ludwig Burkhardt übernahm in einer Interimsperiode die Institutsleitung in einer Phase der Aufräumarbeiten und des mühseligen ersten Aufbaus unter tatkräftiger Hilfe von H. Bayerle, so dass trotz aller Notzeiten mit vielen Improvisationen die Tätigkeit des Instituts kontinuierlich weiterging und auch ein fruchtbarer Neubeginn der wissenschaftlichen Tätigkeit in dem schwer beschädigten Institut zu verzeichnen war.

1948 übernahm Werner Hueck (1882 - 1962), der aus dem Institut hervorgegangen war und in Rostock und Leipzig den Lehrstuhl innehatte, mit 66 Jahren die Institutsleitung. Bereits als junger Forscher unter Otto von Bollinger im Münchner Institut veröffentlichte er 1911 seine Pigmentstudien, histochemische Analysen, die so sehr Gültigkeit haben, dass sie auch heute noch in englischen Spezialwerken abgedruckt sind. Eine Weiterentwicklung auf diesem Forschungsweg war aber nicht möglich, weil die Kenntnisse der Chemie und Biochemie der damaligen Zeit zu gering waren, und so wandte er sich dem Studium der Struktur unter pathologischen Bedingungen zu und entwickelte diese zu höchster Vollendung. Seine Arbeiten über die Arteriosklerose, die Arbeiten seiner Schüler über den Rheumatismus und vor allem seine Mesenchymarbeiten sind Marksteine. Höhepunkt seines Lebenswerks war die Verfolgung des Gedankens, dass die pathologische Anatomie und Histologie nur verstanden werden kann, wenn sie nicht als Zustand, sondern als Momentaufnahme eines Strukturwandels begriffen wird. Die Morphologie als Gestaltwandel fand in seiner "Morphologischen Pathologie" den Abschluss.

In den Jahren des Wirkens W. Huecks wurde das Institut wenigstens in seinen äußeren Bauformen wiederhergestellt. Der Aufbau der Innenstrukturen aber blieb noch unvollendet.

1956 übernahm Walter Büngeler bis 1970 die Leitung des Instituts. Geboren im Rheinland begann er seine wissenschaftliche Laufbahn unter Fischer-Wasels in Frankfurt; hier legte er den Grundstock seines Lebenswerkes, das entscheidend der Geschwulstforschung gewidmet war. Zugleich mit Lignac gelang ihm die erste experimentelle chemische Erzeugung einer Leukämie; hochangesehene wissenschaftliche Ehrungen wurden ihm hierfür zuteil. Eine Fülle von Arbeiten auf dem Geschwulstgebiet, insbesondere die Abgrenzung von Überschusswachstum und Geschwulstwachstum, folgten. Früh wurde er nach Danzig berufen und war Gründungsdekan der Medizinischen Akademie Danzig; mit 35 Jahren folgte er dem Ruf auf den Lehrstuhl für Pathologie in Sao Paulo in Brasilien. Als Leiter des Leprainstituts hat er während der Zeit seines Wirkens in Brasilien grundlegende Arbeiten über diese große Volksseuche durchgeführt.

Vor dem Hintergrund dieses wissenschaftlichen Lebenswerks ist es verständlich, daß die Geschwulstpathologie - bereits Tradition im Münchner Institut - von W. Büngeler entscheidende neue Impulse erhielt. So ist unter W. Büngeler unter anderem eine elektronenmikroskopische Abteilung eingerichtet worden. Er holte Fritz Miller aus Innsbruck. Die Neuropathologie wurde von ihm als Abteilung eingerichtet, die Otto Stochdorph aufbaute. Die Abteilung ist heute zu dem selbständigen Institut für Neuropathologie geworden.